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III · Chorprobe

Wie weit neben dem Klavier?

Tipp die Töne ein, die im Satz stehen – so viele Stimmen, wie du brauchst. Die Tafel sucht sich den Grundton, erkennt den Akkord und rechnet für jede Stimme aus, wie viele Cent sie vom Flügel weg muss, damit er rein wird. Dann zieh jede Stimme auf ihren Ring – die Saite zittert, solange sie mit den anderen schwebt, und kommt zur Ruhe, wenn die Verhältnisse aufgehen. Die Terz nach unten, die Quinte ein Hauch nach oben, die Septime erstaunlich weit hinunter – und plötzlich hört das Schlagen auf.

Tafel III Akkord-Werkstatt · Abweichung vom Flügel in Cent

Leerzeichen zwischen den Tönen, tiefster zuerst, zum Beispiel c3 e3 g3 b3 d4 f4. es und as ohne zweites e, b ist das erniedrigte H. Ohne Ziffer werden die Oktaven aufsteigend ergänzt.

So soll er klingen
Bezugston
Vorlage einsetzen

Probenzettel

Anmerkungen

Ein Klavier teilt die Oktave in zwölf gleich große Schritte. Das ist ein Kompromiss, damit alle Tonarten spielbar sind, und er geht auf Kosten der Terzen. Ein Chor hat diesen Zwang nicht. Er hört auf die Schwebung und wandert von selbst dorthin, wo sie verschwindet.

Deshalb steht hier Rein für etwas anderes als die vier historischen Stimmungen. Rein heißt: Die Intervalle werden aus dem Grundton dieses Akkordes gebildet, nach den Verhältnissen der Obertonreihe. Wandert der Akkord, wandert der Bezug mit. Genau so singt ein Chor. Pythagoräisch, mitteltönig, Werckmeister und Kirnberger sind dagegen Tastenstimmungen. Sie liegen fest auf C und wandern nicht mit – dort verschiebt sich der ganze Akkord, auch sein Grundton.

Welcher Ton der Grundton ist, sucht die Tafel selbst – auch in Umkehrungen, denn gerechnet wird mit Tonklassen. Ein einzelner Vorhalt oder Durchgangston wirft sie nicht um, er wird nur als Ton außerhalb des Akkordes geführt. Stimmt die Lesart trotzdem nicht, lässt sich der Bezugston von Hand setzen. Das ist keine Notlösung, sondern oft die musikalische Frage: Worauf stimmt der Chor gerade?

Zum Maßstab: Ein Halbton sind 100 Cent. Die ganze Tafel oben deckt davon nicht einmal die Hälfte ab. Drei Zahlen lohnen sich zum Auswendiglernen. Die große Terz liegt 14 Cent unter dem Klavier, ein Siebtel Halbton, die kleine Terz 16 Cent darüber, die Quinte 2 Cent darüber. Damit ist jeder Dur- und Moll-Dreiklang abgedeckt. Die Septime des Dominantseptakkordes fällt aus dem Rahmen: Als Naturseptime liegt sie 31 Cent tief, fast ein Drittel Halbton. Wer das im Chor einmal getroffen hat, vergisst den Klang nicht wieder.

Die Saiten sind die Probe aufs Exempel. Jede zittert so stark, wie ihre Teiltöne gegen die der anderen schlagen. Zieh sie auf ihre Ringe, per Hand oder mit den Cent-Knöpfen darunter, und bei Dur- und Moll-Klängen wird es still. Beim verminderten Septakkord nicht – der ist auch rein nicht auflösbar, und genau deshalb klingt er, wie er klingt.