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IV · Atem

Einatmer oder Ausatmer?

Manche Gesangslehrerinnen und Chorleiter teilen ihre Sänger in zwei Gruppen. Die einen sollen aktiv einatmen, die anderen aktiv ausatmen. Welcher Typ man ist, entscheide der Stand von Sonne und Mond bei der Geburt. So lehrt es die Terlusollogie. Hier steht, was sie behauptet, was die Forschung dazu sagt und was man trotzdem für die eigene Stimme ausprobieren kann.

Vorab Wissenschaftlicher Stand Recherche Oktober 2026

Die Terlusollogie ist wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt keine kontrollierte, begutachtete Studie, die ihre Kernannahmen bestätigt. Die einzige systematische Prüfung aus dem Gesang, eine Diplomarbeit an der Hochschule für Musik Weimar mit gut 550 Befragten, hat alle untersuchten Annahmen widerlegt. Wikipedia, die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Psiram ordnen die Lehre als Pseudowissenschaft ein.

Was unten über die beiden Typen steht, gibt wieder, was die Lehre sagt – nicht, was gesichert ist. Die Empfehlungen sind Anregungen zum Ausprobieren. Sie ersetzen weder Gesangsunterricht noch eine Untersuchung in der Phoniatrie oder Logopädie.

Herkunft

Die Lehre geht auf den Geiger Erich Wilk (1915–2000) zurück. Er will beobachtet haben, dass seine Lehrer ihren Bogen auf zwei grundverschiedene Arten halten und trotzdem rein klingen. Und dass ihm das Spiel ohne Noten bei zunehmendem Mond leichtfiel, bei abnehmendem schwer. 1949 erschien seine „Typenlehre“. Die Kinderärztin Charlotte Hagena (1909–2016) lernte sie in einem Sanatorium in Bad Pyrmont kennen. Mit Wilk und später mit ihrem Sohn, dem Arzt Christian Hagena, baute sie daraus die Terlusollogie. Der Name setzt sich aus Terra, Luna und Sol zusammen. Begriff und Titel „Terlusolloge“ sind als Marke geschützt, verbreitet ist die Lehre vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bestimmt wird der Typ aus dem Geburtstag. Die Lehre ordnet dem Mond eine Energie zu, die von 1 % bei Neumond bis knapp 100 % bei Vollmond reicht, und der Sonne eine, die vom 21. Dezember bis zum 21. Juni ebenso ansteigt. Was bei der Geburt überwiegt, soll die Atmung lebenslang prägen. Überwiegt der Mond, ist man lunar und atmet aktiv ein. Überwiegt die Sonne, ist man solar und atmet aktiv aus. Liegen beide weniger als sieben Prozentpunkte auseinander, gilt der Typ als nicht berechenbar. Dieser „Fragezeichentyp“ soll durch Tests bestimmt werden. Zwischentypen kennt die Lehre in ihrer strengen Form nicht, einzelne Anwenderinnen sprechen dagegen offen von Mischtypen.

Aus dem Typ leitet die Lehre weit mehr ab als die Atmung: Haltung, Gang, Händigkeit, Lernweise, Tagesrhythmus, Ernährung und Schlafposition. Wer dauerhaft gegen seinen Typ lebt, soll an Leistung verlieren und krank werden können. Angewendet wird sie in Gesang, Stimmbildung, Logopädie, Instrumentalunterricht, Yoga, Qigong, Lernberatung und Coaching.

Vorsicht mit dem Wort. In der klassischen Stimmbildung heißt „Atemtyp“ etwas anderes, nämlich die Bewegung, die beim Atmen überwiegt: Schlüsselbein-, Brust- oder Bauch-Flanken-Atmung. Dort ist sich die Fachliteratur weitgehend einig, dass für das Singen die kombinierte Brust-Bauch-Atmung den Vorzug verdient. Und dass am Ende weniger die Atemform zählt als das feine Zusammenspiel von Atemdruck und Stimmlippen.

Forschung

Eigene Studien zur Bestätigung haben die Terlusollogen nicht vorgelegt. Sie berufen sich auf mehr als vierzig Jahre „Erfahrungswissenschaft“. Das sind Beobachtungen aus Praxis und Unterricht, keine überprüfbaren Daten. Welche Energie von Sonne und Mond gemeint ist, erklärt die Lehre nicht.

Frederik Beyer hat sie 2011 in seiner Diplomarbeit im Fach Gesang an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar geprüft. Gut 550 Menschen verglichen in Selbsttests ihren errechneten Typ mit Merkmalen, die die Lehre ihm zuschreibt, etwa Atemart, Armheben und Händigkeit. Die Verteilungen wichen deutlich von dem ab, was die Lehre erwarten lässt. Alle geprüften Annahmen fielen durch, Beyer stuft sie als Pseudowissenschaft ein. Seine Arbeit ist eine Abschlussarbeit mit Online-Befragung und keine begutachtete Studie. Eingewandt wird auch, man dürfe nur Menschen prüfen, die bereits nach ihrem Typ leben. Gegenteilige Daten hat aber niemand veröffentlicht.

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen nennt die Lehre 2022 eine esoterisch begründete Pseudowissenschaft, die nicht ganz harmlos sei. Besonders warnt sie vor der Schlaflehre, denn Bauchlage erhöht bei Säuglingen das Risiko des plötzlichen Kindstods. Der Stimmbildner Michael Pezenburg warnt vor gesundheitlichen Fehlschlüssen und davor, bewährte Standards der Stimmausbildung ohne Grundlage auszuhebeln. Uwe Janatzek nutzt die Terlusollogie 2017 als Lehrbeispiel dafür, wie sich Pseudowissenschaft von Wissenschaft unterscheiden lässt.

Dieselbe EZW-Arbeit räumt aber ein, dass einzelne Übungen den Unterricht bereichern können, weil Menschen verschieden lernen. Genau dort setzen die Empfehlungen weiter unten an.

Verwandte Studien

Eine Studie, die die Terlusollogie bestätigt, gibt es nicht. Es gibt aber ernsthafte Forschung zu den Fragen, an denen sie ansetzt. Sie zeigt, wo die Ausgangsbeobachtungen etwas Wahres treffen – und wo die Lehre über sie hinausschießt.

Jeder Mensch atmet anders – und bleibt dabei

Benchetrit und Kollegen maßen 1989 die Ruheatmung von 16 Erwachsenen zweimal im Abstand von vier bis fünf Jahren. Die Muster waren innerhalb einer Person deutlich ähnlicher als zwischen verschiedenen Personen, trotz Gewichtsänderungen oder aufgegebenem Rauchen. Soroka und Kollegen erkannten 2025 aus dem Atemstrom der Nase 97 Menschen mit 96,8 % Treffsicherheit wieder, stabil über lange Zeit.

Bezug: Die Grundbeobachtung, dass Menschen unterschiedlich atmen und dabei bleiben, ist richtig. Gefunden wird aber ein individuelles Muster bei jedem Einzelnen, keine Aufteilung in zwei Gruppen. Und nichts davon hängt am Geburtstag.

Ausgebildete Sänger atmen sehr verschieden

Salomoni, van den Hoorn und Hodges zeichneten 2016 mit Atemgurten auf, wie sieben klassisch ausgebildete Sänger und vier Laien beim Singen atmen. Die Sänger nutzten im Mittel deutlich mehr Bauch (rund 35 % gegenüber 14 %), untereinander aber auf sehr verschiedene Weise. Eine Person mit über 21 Jahren Bühnenerfahrung atmete wie die Laien.

Bezug: Ein Einheitsrezept für die Sängeratmung greift zu kurz. Das ist das berechtigte Anliegen hinter jeder Typenlehre. Zwei feste Typen zeigen die Daten aber nicht, und die Stichprobe ist sehr klein.

Die Jahreszeit der Geburt und die innere Uhr

Natale und Adan befragten 1999 1.584 Studierende. Wer im Herbst oder Winter geboren war, war häufiger ein Morgenmensch, wer im Frühjahr oder Sommer geboren war, häufiger ein Abendmensch. Bei Frauen allein zeigte sich der Effekt nicht. Eine Folgestudie mit 5.720 Personen bestätigte ihn 2009, aber als klein.

Bezug: Dass der Geburtszeitpunkt etwas Messbares hinterlässt, ist also nicht abwegig, vermutlich über die Tageslänge. Mit dem Mond hat das nichts zu tun, und die Richtung passt nicht. Rechnet man nach der Lehre, überwiegt im Winter fast immer der Mondanteil. Winterkinder müssten also eher lunare Abendmenschen sein. Gefunden wurden eher Morgenmenschen.

Geburtsmonat und Händigkeit

Tran, Stieger und Voracek werteten 2014 zwei Stichproben aus Mitteleuropa mit 7.658 und 5.062 Personen aus. Unter Männern, die von November bis Januar geboren waren, gab es mehr Linkshänder. Das erklärte den ganzen Unterschied zu den Frauen.

Bezug: Auch die Seitenbetonung hängt bei Männern leicht an der Geburtsjahreszeit. Die Lehre koppelt sie an den Typ, ihre eigenen Quellen widersprechen sich aber, welcher Typ links betont ist. Folgt man der EZW-Zusammenfassung, nach der Ausatmer eher linkshändig sind, müssten im Winter weniger Linkshänder geboren werden. Gefunden wurden mehr.

Der Mond und die Geburt

Arliss, Kaplan und Galvin werteten 2005 alle 564.039 Geburten aus North Carolina über 62 Mondzyklen aus. Weder die Zahl der Geburten noch ihr Verlauf noch die Komplikationen hingen an der Mondphase.

Bezug: Mit dem Atemtyp hat die Studie direkt nichts zu tun. Sie trifft aber den Mechanismus, auf den die Lehre baut: Ein Einfluss des Mondes auf das Geschehen bei der Geburt lässt sich nicht nachweisen.

Warum es trotzdem überzeugt

Erstens stimmt die Ausgangsbeobachtung. Menschen atmen, stehen und lernen verschieden, und guter Unterricht nimmt darauf Rücksicht. Zweitens wirkt Aufmerksamkeit. Wer bewusst ausprobiert, wie er steht und atmet, findet fast immer eine Variante, die sich freier anfühlt – gleich, welche Liste ihn dorthin geschickt hat. Drittens sind die Merkmalslisten so breit, dass sich fast jeder darin wiederfindet. Treffer bleiben im Gedächtnis, Fehlgriffe nicht. Die Psychologie nennt das den Barnum-Effekt. Und viertens ist die Lehre schwer zu widerlegen. Passt der errechnete Typ nicht, wird neu ausgetestet oder es war ein Fragezeichentyp.

Tafel IV Zwei Typen nach der Lehre Behauptungen, nicht Befunde
Merkmal Lunar · Einatmer Solar · Ausatmer
Aktive PhaseEinatmungAusatmung
Passive PhaseAusatmung, der Brustkorb federt zurückEinatmung, die Luft strömt ein
Atemraumeher Brusteher Bauch und Flanken
Schwerpunkthinten, auf der Fersevorn, auf dem Vorfuß
Knie, Gelenkegestrecktleicht gebeugt, nachgiebig
Rückenaufrecht, leichtes Hohlkreuzleicht nach vorn, im Kreuz rund
Ruhe und BewegungBecken ruhig, Oberkörper und Arme beweglichOberkörper und Arme ruhig, Becken und Hals beweglich
Gangkleine, schnelle Schritte, Arme schwingengroße, ruhige Schritte, Arme ruhig
Sitzenzurückgelehnt, Beine langaufrecht, leicht nach vorn, Becken gekippt
Tonansatzweich, „von innen heraus“deutlich und direkt, vorn an den Lippen
Blick, Noteneher nach oben, Noten hocheher nach unten, Noten tief
Lernenüber das Gehörüber die Augen, Blick zum Dirigat
Tageszeitabends wachermorgens wacher
SeitenbetonungDie Quellen der Lehre widersprechen sich hier.

Lunar · Einatmer

Wer die Luft holt.

Der lunare Typ soll seine Kraft aus der Einatmung beziehen. Er weitet den Brustkorb aktiv und lässt die Luft dann ohne Zutun in den Ton fließen. Der zurückfedernde Brustkorb liefert dabei den Druck.

Was die Lehre sagt

Die Einatmung ist die aktive, betonte Phase, die Ausatmung die passive. Die Befürworter geben ein Verhältnis von etwa drei oder vier zu eins an. Geatmet wird vor allem in die Brust, die Luft anzuhalten fällt leicht. Auch bei großer Anstrengung, wenn die Ausatemmuskeln mithelfen, bleibt die Betonung auf dem Einatmen.

Der lunare Mensch steht aufrecht und gestreckt, das Gewicht auf den Fersen, die Knie durchgestreckt, mit leichtem Hohlkreuz. Das Becken ist die Ruhezone, Oberkörper und Arme bewegen sich. Er geht mit kleinen, schnellen Schritten und schwingenden Armen und sitzt gern zurückgelehnt.

Beim Musizieren hält er das Instrument und die Noten hoch, der Blick geht nach oben. Er lernt vor allem über das Gehör und braucht weniger Blickkontakt zum Dirigat. Er setzt Töne weich an und spielt „von innen heraus“. Abends soll er am leistungsfähigsten sein.

Dazu gibt die Lehre Ernährungsregeln, etwa tierische Fette, viel Flüssigkeit und Säure. Sie stehen hier nur der Vollständigkeit halber. Was man isst und trinkt, richtet sich nach dem Bedarf des Körpers, nicht nach dem Geburtstag.

Empfehlungen Für Einatmer Links die Lehre, rechts die Stimmbildung

Was die Lehre rät

  1. Aktiv einatmen. Den Brustkorb bewusst weiten und die Luft dann ohne Druck in den Ton strömen lassen.
  2. Aufrecht und gestreckt stehen, das Gewicht eher auf den Fersen.
  3. Das Becken ruhig lassen. Oberkörper und Arme dürfen sich bewegen, lieber in Bewegung singen als starr stehen.
  4. Weich einsetzen und den Ton von innen entstehen lassen.
  5. In Bögen denken und viel legato üben.
  6. Den Notenständer hoch stellen, der Blick geht eher nach oben.
  7. Über das Gehör lernen: Aufnahmen hören, vorsingen lassen, nachsingen.
  8. Anspruchsvolles Üben eher auf den Abend legen.

Was die Stimmbildung ergänzt

  1. Hochatmung vermeiden. Wer den Brustkorb aktiv füllt, zieht leicht Schultern und Schlüsselbeine mit. Die Einatmung in Flanken, unteren Rücken und Bauch lenken.
  2. Nicht überfüllen. Mehr Luft heißt mehr Druck. Nur so viel einatmen, wie die Phrase braucht.
  3. Die Ausatmung nicht sich selbst überlassen. Leise Höhen, ein Crescendo, ein langer Bogen verlangen fein dosierten Atemdruck. Das ist aktive Arbeit, auch für Einatmer.
  4. Die Weite mitnehmen. Die Rippen bleiben beim Singen weit, statt sofort zurückzufallen. Diese Gegenspannung, in der italienischen Schule „Appoggio“ genannt, kommt der lunaren Neigung entgegen.
  5. Knie locker lassen. Durchgedrückte Knie und ein starkes Hohlkreuz spannen Becken und Bauchwand an und behindern die tiefe Atmung.
  6. Auch feste Einsätze üben. Vom Barock bis zum Pop verlangt die Musik beides, den weichen und den klaren Beginn.

Übungen zum Ausprobieren

Flanken spüren
Hände seitlich an die unteren Rippen legen. Einatmen, ohne die Schultern zu heben, bis die Hände nach außen wandern. Zehnmal ruhig wiederholen.
Abspannen
Nach Coblenzer: am Ende einer Phrase oder nach einem „p“ oder „t“ die Bauchdecke schlagartig lösen. Die Luft fällt von selbst ein. Für Einatmer ungewohnt, gerade deshalb lohnend.
Strohhalm, Lippenflattern
Durch einen Strohhalm oder mit flatternden Lippen eine Sirene vom tiefen zum hohen Ton gleiten. Der halb verschlossene Mund gleicht Atemdruck und Stimmlippen aus, ohne dass man drücken muss.
Messa di voce
Einen Ton leise beginnen, anschwellen lassen und wieder zurücknehmen. Schult genau die dosierte Ausatmung, die Einatmer gern vernachlässigen.
Bögen auf „u“
Tonleitern legato singen und dabei mit der Hand einen Bogen in die Luft ziehen.

Solar · Ausatmer

Wer die Luft gibt.

Der solare Typ soll seine Kraft aus der Ausatmung beziehen. Er gibt die Luft aktiv ab und lässt die Einatmung dann von selbst geschehen, nur so tief, wie die nächste Phrase es verlangt.

Was die Lehre sagt

Die Ausatmung ist die aktive, betonte Phase, die Einatmung die passive. Geatmet wird vor allem in Bauch und Flanken, eine Pause nach dem Ausatmen empfindet der Solare als angenehm. Die Flankenmuskulatur soll die vollständige Ausatmung tragen.

Der solare Mensch steht leicht nach vorn geneigt, das Gewicht auf dem Vorfuß, Knie und Gelenke leicht gebeugt. Im Übergang vom Becken zur Lendenwirbelsäule ist der Rücken rund, der Kopf leicht angehoben. Oberkörper, Arme und Beine bleiben ruhig, Becken und Hals bewegen sich. Er geht mit großen, ruhigen Schritten und sitzt aufrecht, leicht nach vorn, mit lockerem Bauch.

Beim Musizieren hält er die Arme etwas vom Körper weg, die Noten liegen tiefer, der Kopf neigt sich zum Lesen. Er lernt über die Augen und braucht Blickkontakt zum Dirigat. Er setzt deutlicher an und bläst oder singt aktiv und direkt, den Ton vorn an den Lippen. Nach dem Einströmen soll er sofort beginnen, denn mit voller Lunge zu warten, erzeuge Spannung. Morgens soll er am leistungsfähigsten sein.

Auch hier gibt die Lehre Ernährungsregeln, etwa fettarm, kohlenhydratreich, wenig Flüssigkeit, Säure meiden. Auch hier gilt: nicht danach essen und trinken. Besonders bedenklich ist, dass Solare nach manchen Darstellungen Nikotin besser vertragen sollen.

Empfehlungen Für Ausatmer Links die Lehre, rechts die Stimmbildung

Was die Lehre rät

  1. Aktiv ausatmen und die Luft dann von selbst einströmen lassen, nur so viel, wie die nächste Phrase braucht.
  2. Gleich nach dem Einströmen beginnen, nicht mit voller Lunge warten.
  3. Leicht nach vorn geneigt stehen, Gewicht auf dem Vorfuß, Knie und Gelenke leicht gebeugt.
  4. Oberkörper, Arme und Beine ruhig halten. Becken und Hals dürfen sich bewegen, die Arme etwas vom Körper weg.
  5. Deutlich und direkt einsetzen, den Ton vorn an den Lippen denken.
  6. Die Noten tiefer halten, der Kopf neigt sich zum Lesen leicht.
  7. Über die Augen lernen: Notenbild, Gesten, Blickkontakt zum Dirigat.
  8. Anspruchsvolles Üben eher auf den Morgen legen.

Was die Stimmbildung ergänzt

  1. Den Brustkorb nicht vergessen. Wer nur mit dem Bauch arbeitet, lässt die Weite der Rippen ungenutzt. Auch Ausatmer brauchen die kombinierte Atmung.
  2. Die Rippen weit halten. Beim Singen nicht die Luft aus einem einsinkenden Brustkorb drücken. Die Ausatemarbeit kommt aus Bauch- und Flankenwand, der Brustkorb bleibt offen.
  3. Nicht pressen. Aktives Ausatmen kippt leicht in zu hohen Druck. Der Klang wird eng, die Einsätze knacken. Weiche und gehauchte Einsätze bewusst üben.
  4. Vor langen Phrasen tief atmen. „Nur so viel wie nötig“ heißt bei einer Bach-Koloratur eben viel. Atemstellen planen und in die Noten schreiben.
  5. Den Nacken lang lassen. Bei geneigtem Oberkörper und tief liegenden Noten schiebt sich das Kinn leicht vor. Das engt den Kehlraum ein.
  6. Auch nach Gehör üben. Wer nur nach dem Notenbild lernt, verliert beim Auswendigsingen schneller den Faden.
  7. Legato als Gegengewicht. Bindeübungen gehören auch in den solaren Übungsplan.

Übungen zum Ausprobieren

Rippen offen halten
Einatmen und die Weite der Flanken spüren. Dann auf „s“ ausströmen lassen und die Rippen dabei so lange wie möglich weit lassen. Erst ganz am Ende dürfen sie nachgeben.
Abspannen
Nach Coblenzer: nach einem „p“ oder „t“ die Bauchdecke schlagartig lösen und die Luft einfallen lassen. Passt zur solaren Neigung, das Einatmen dem Reflex zu überlassen, und trainiert schnelle Atempausen.
Gehauchter Einsatz
Ein leises „h“ vor den Vokal setzen, ha, he, hi, und den Ton ohne Knacklaut beginnen. Danach das „h“ immer weiter zurücknehmen.
Strohhalm, Lippenflattern
Wie bei den Einatmern. Hier vor allem als Mittel gegen Pressdruck: Der Widerstand vor dem Mund nimmt dem Kehlkopf Arbeit ab.
Lange Bögen
Eine Phrase auf einem Atem singen, die etwas länger ist als bequem. Vorher bewusst tief einatmen und dabei die Schultern ruhig lassen.

Für beide

Ausprobieren statt einordnen.

Gemeinsame Empfehlungen

  1. Den Typ als Frage nehmen, nicht als Urteil. Probier beide Haltungen und beide Atemweisen je eine Woche lang. Nimm dich auf und hör nach, wann die Stimme freier klingt. Das Ergebnis zählt, nicht der Geburtstag.
  2. Nichts verbieten. Eine Übung schadet nicht, nur weil sie zum anderen Typ gehört. Gerade die Gegenseite deckt oft auf, was fehlt.
  3. In Chor und Unterricht niemanden nach dem Geburtsdatum einteilen, schon gar nicht Kinder. Verschiedene Wege anbieten und nachfragen, was hilft, erreicht dasselbe ohne Etikett.
  4. Die Gesundheit nicht danach ausrichten. Ernährung, Medikamente, Rauchen und Schlafposition nicht nach dem Typ wählen. Säuglinge schlafen in Rückenlage.
  5. Bei Beschwerden zum Arzt. Heiserkeit, die länger als drei bis vier Wochen anhält, Schmerzen beim Singen oder ein plötzlicher Verlust der Höhe gehören in die Phoniatrie oder die HNO-Praxis.

Quellen

Zur Lehre, von Befürwortern

  • Erich Wilk: Typenlehre. Magnetismus, Charakter und Gesundheit. Minden 1949.
  • Charlotte und Christian Hagena: Konstitution und Bipolarität. Erfahrungen mit einer neuen Typenlehre. Heidelberg 2001.
  • Christian Hagena: Grundlagen der Terlusollogie. 3. Auflage, Haug, Stuttgart 2009. Buchvorstellung beim BDH
  • Brigitta Seidler-Winkler: Im Atemholen sind zweierlei Gnaden. Terlusollogie und Stimme. 2006. Rezension auf lehrerbibliothek.de
  • Terlusollogie Schweiz: Die Atmung und Musizieren.
  • Minka Hauschild: Atemtypen-Lehre, 2020.

Kritische Einordnung

  • Frederik Beyer: Lunar? Solar? Kritisch-rationale Untersuchung der Terlusollogie und deren Konsequenzen für die gesangspädagogische Praxis. Diplomarbeit, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar 2011, als Buch München 2012. Bei GRIN
  • Heike Beck, Paula Siegle: Terlusollogie – die Lehre der Atemtypen. Zeitschrift für Religion und Weltanschauung 1/2022, EZW Berlin.
  • Michael Pezenburg: Stimmbildung. Wißner, Augsburg 2015, Kapitel zur Terlusollogie S. 183–192.
  • Uwe Janatzek: Pseudowissenschaft Terlusollogie. Hamburg 2017.
  • Terlusollogie in der deutschsprachigen Wikipedia.
  • Terlusollogie bei Psiram.

Forschung

  • G. Benchetrit u. a.: Individuality of breathing patterns in adults assessed over time. Respiration Physiology 75 (1989), 199–209. Eintrag
  • T. Soroka, A. Ravia u. a.: Humans have nasal respiratory fingerprints. Current Biology 35 (2025). Eintrag
  • S. Salomoni, W. van den Hoorn, P. Hodges: Breathing and Singing. Objective Characterization of Breathing Patterns in Classical Singers. PLOS ONE 11 (2016), e0155084. Volltext
  • V. Natale, A. Adan: Season of birth modulates morningness-eveningness preference in humans. Neuroscience Letters 274 (1999), 139–141. PubMed
  • V. Natale, A. Adan, M. Fabbri: Season of birth, gender, and social-cultural effects on sleep timing preferences in humans. Sleep 32 (2009), 423–426.
  • U. S. Tran, S. Stieger, M. Voracek: Latent variable analysis indicates that seasonal anisotropy accounts for the higher prevalence of left-handedness in men. Cortex 57 (2014), 188–197. Eintrag
  • J. M. Arliss, E. N. Kaplan, S. L. Galvin: The effect of the lunar cycle on frequency of births and birth complications. American Journal of Obstetrics and Gynecology 192 (2005), 1462–1464.
  • M. Pezenburg: Zur Frage der Systematisierung und Standardisierung stimmbildnerischer Übungen. Dissertation, Universität Flensburg 2005, Abschnitt „Atemformen – Atemtypen“. PDF
  • I. R. Titze: Voice Training and Therapy With a Semi-Occluded Vocal Tract. Journal of Speech, Language, and Hearing Research 49 (2006), 448–459. Eintrag
  • H. Coblenzer, F. Muhar: Atem und Stimme. Wien 1976.