Ein Akkord steht, wenn die Schwebungen aufhören. Eine Yacht liegt dort, wo Wind und Rumpf sich die Waage halten. Beides lässt sich ausrechnen und trotzdem findet man es nur durch Probieren. Weiter unten kannst du beides selbst suchen.
I · Klang
Zieh die Stimmen nach oben oder unten. Zur Seite gezogen lassen sie sich cent-genau feinstimmen. Die feinen Linien zeigen, wo die gewählte Stimmung ihre Halbtöne legt. Gehen die Verhältnisse auf, hören die Saiten auf zu zittern – der Akkord steht. In gleichstufiger Stimmung gelingt das bei der Terz nie ganz. Genau deshalb singen Chöre anders, als Klaviere gestimmt sind.
Anmerkungen
Ein Klavier kann keinen reinen Dur-Akkord spielen. Seine große Terz liegt rund 14 Cent zu hoch – ein Siebtel Halbton – und daran lässt sich nichts stimmen: Die gleichstufige Stimmung erkauft die Freiheit, in jeder Tonart zu spielen, mit einer Terz, die nie aufgeht. Ein Chor hat diese Fessel nicht. A cappella wandert er von selbst dorthin, wo die Schwebung verschwindet.
Als Faustregel für die Probe: in Dur die Terz tiefer nehmen, als das Klavier sie gibt, in Moll höher. Oktaven und Quinten stimmen ohnehin überein – der ganze Unterschied steckt in Terzen und Sexten.
II · Wasser
Dreh am Wind und sieh zu, wie sich die Yacht auf die Seite legt. Wird es zu viel, reff das Groß – bei unverändertem Wind richtet sie sich wieder auf. In der Mitte steht das Polardiagramm dieser Yacht, rechts ihre Hebelarmkurve – auf beiden liegt der Punkt, an dem das Boot gerade ist. Wechsle auch den Kurs. Derselbe Wind fühlt sich am Wind ganz anders an als vor dem Wind, und die Logge zeigt ab etwa 20 Knoten etwas Unerwartetes.
Anmerkungen
Doppelter Wind heißt nicht doppelte Kraft, sondern vierfache – der Winddruck wächst im Quadrat. Deshalb kippt die Lage so plötzlich, wenn eine Bö durchzieht.
Und es ist nie der wahre Wind, der das Boot legt, sondern der scheinbare. Am Wind addiert sich die eigene Fahrt dazu: Aus 22 Knoten werden 28. Vor dem Wind läuft das Boot dem Wind davon, aus 22 Knoten werden 13 – und von denen drückt fast nichts mehr quer. Deshalb liegt dieselbe Yacht bei gleichem Wind am Wind auf der Backe und vor dem Wind fast aufrecht. Und deshalb erwischt es Crews beim Anluven.
Reffen hilft gleich zweimal. Es nimmt Fläche weg und senkt zugleich den Punkt, an dem der Wind angreift. Und die Kurve zeigt, was viele überrascht: Bei 30° Krängung sind erst rund drei Viertel des aufrichtenden Moments abgerufen. Das Boot arbeitet dort noch lange nicht am Limit – unbequem ist längst nicht gefährlich.
Ein drittes Mal hilft es auf der Logge. Am Wind wird das Boot ab etwa 20 Knoten mit weniger Tuch schneller, nicht langsamer. Eine überkrängte Yacht stellt ihre Segel schräg in den Wind, driftet nach Lee und schleppt das Ruder hinter sich her. Wer bei 22 Knoten das zweite Reff einbindet, verliert nichts – er gewinnt einen knappen halben Knoten und neun Grad. Vor dem Wind gilt das nicht, dort steht bis zuletzt das volle Tuch am schnellsten.
Das Polardiagramm liest sich wie eine Landkarte des Möglichen. Oben steht der Wind, der Abstand vom Mittelpunkt ist die Fahrt. Die blassen Linien sind die übrigen Windstärken, die kräftige gehört zur eingestellten. Zwei Dinge fallen sofort auf: Gegen den Wind ist ein Keil ausgespart, in den kein Segelboot hineinkann. Und am schnellsten läuft die Yacht nicht vor dem Wind, sondern schräg dazu, bei etwa 120°. Deshalb kreuzt man auch nach unten.